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Die Geschichte der Umladehalle Holzwickede

 

Foto aus dem Jahre 1935

Foto aus dem Jahre 1935

 

die Holzwickeder Erfindung, sägeförmige LKW Anfahrt Rampen

Die Holzwickeder Erfindung,

sägeförmige LKW Anfahrt Rampen

 

 

(Obige Bilder stammen vom "Bildarchiv der Eisenbahnstiftung")
www.eisenbahnstiftung.de/

 

1935
Die Anlagen der Umladestelle Holzwickede , etwa 1888 dem damaligen Verkehrsbedürfnis entsprechend angelegt und in Teilbauten nach Verkehrsaufkommen und Bedürfnis immer weiter ausgebaut, werden 1935 durch eine sägeförmige LKW-Bühne (zur Schräganfahrt aus Raummangel) erweitert. Diese Form wird als einzige dieser Art angesehen und als Holzwickede Erfindung bezeichnet. Siehe oberes rechtes Bild. Zur LKW-Bühne wird mit Überfahrt über die Gleisanlagen (die Umladestelle liegt im nördlichen Bahnhofsteil) eine besondere Zufahrtsstraße gebaut.

1936
Frequenz: LKW Eingang 6375 Wagen, Ausgang 6634 Wagen. Durchschnittliche Belastung 2,85 und 2,87 Tonnen. Insgesamt fallen der LKW Beförderung von den Leistungstonnen der Umladestelle in Höhe von 367.720 Tonnen, Güter im Gewicht von 36.559 Tonnen, rund 10 % zu.

1937
Der LKW Verkehr nimmt im Verhältnis zur Gesamtleistung ab. Genaue Zahlen liegen aus diesem Jahr nicht mehr vor. Das LKW Gut dürfte jedoch noch immer bei 6-8% gelegen haben. Besonderheiten aus diesem Jahr der zunehmenden Verkehrssteigerung sind nicht zu verzeichnen

1938
Stückgutschwemme. Die Umladung ist gegen 1936 um etwa 10 % gestiegen. Gesamtjahresleistung 400.130 Tonnen. Anteil des LKW Verkehr 21.640 Tonnen = 5,4 %. Der Rückgang der LKW Beförderung ist auf den Abzug der Wagen zu Sonderaufgaben für die Landesverteidigung zurückzuführen (Westwallbau). Ende 1938 beginnt im Zuge der Linienführung der Autobahn Opladen - Kamen für die in der Nähe Holzwickedes vorüberziehende Strecke der Bau eines Bahnhofs für die Anfuhr der benötigten Materialien. Ein Gelände von etwa 3 Morgen Größe (6000 - 8000 m2) neben dem südlichen Bahnhofsteil wird für den täglichen Umschlag von etwa 80 - 100 Wagen hergerichtet.

1939
Der Kriegsbeginn bringt für die Umladestelle Holzwickede zu einigen Abzügen für den Kriegsdienst keine besonderen Schwierigkeiten. Verdunkelungsmaßnahmen, soweit nicht vorbereitet, werden durchgeführt. Tag- und Nachtentladung beim 9 und 19 Stunden Schicht im Wechseldienst, Früh-, Spät- und Nachtschicht.

1940
Der Umladestelle wird ein Wohnheim (Wohnbaracke, Steinbau) zugefügt. Weitere gleiche Bauten, zur Aufnahme von Fremdarbeitern, sind geplant. Eintreffen von 40 polnischen Arbeitern. Durch Dienstverpflichtungen deutscher Arbeiter und allmähliche Zuführung weiterer Fremdarbeiter wird der Personalstand der Umladestelle allmählich bis auf 450 Köpfe gesteigert. Besondere Berührung der Umladestelle durch den Feldzug im Westen nicht erkennbar. Am 20.06.1940 erste Bombenangriffe in Holzwickede und Umgebung. Eisenbahn nicht betroffen. Gesamtjahresleistung der Umladestelle 350.000 Tonnen.

1941
Die Bauarbeiten an der Autobahn werden eingestellt im Frühjahr und Abtransport aller maschinellen Gleisanlagen des Autobahn Bahnhofs. Umladestelle ohne Veränderung in Aufgaben und Umfang. Gesamtjahresleistung 388.000 Tonnen. Vereinzelte Bombenabwürfe, Bahnanlagen nicht betroffen.

1942
Den Bühnen IV und V werden 3 geräumige Bunker vorgebaut, für die Löschwasserversorgung 2 Löschteiche hart südlich der Umladestelle angelegt. Der Bau eines neuen Büro Hauses unmittelbar neben dem alten beginnt, im Erdgeschoß mit modern eingerichteter Elektrokarrenladestelle versehen. Es laufen ständig 15 Elektrokarren und etwa 80 Anhänger. Jahresleistungstonnen 386.000 Tonnen. Hauptaufgabe: Empfangsverteilung der aus Mittel-, Ost- und Norddeutschland stammenden Stückgüter in das Wupper- und Ruhrgebiet. Nur geringe Versandmengen aus dem Raume Hagen und der Ruhr-Sieg Strecke.

1943
Fertigstellung der Bunker, des Büro Hauses, Weiterführung der Überdachung nach Osten über Gleis 8 und 9. Vorbau eines Bühnenstückes (30 m Beton) vor Bühne I östlich. Errichtung von 2 Wohnbaracken für Fremdarbeiter. 2000 Tonnen Grenze täglicher Leistung, wie noch 1938 im Herbstverkehr, wird nicht mehr erreicht. Trotzdem Gesamtleistung des Jahres 411.000 Tonnen. Von August an müssen Wagen der schwer getroffenen Umladestelle Hagen mit übernommen werden.

 

Die zunehmende nächtliche Fliegertätigkeit bringt Unruhe in die Umladung und zwingt zu Unterbrechungen und Einschränkungen. Bombenabwürfe in der Umgebung, ohne Beschädigung von Bahnanlagen.

1944
Im weiteren Verlauf des Jahres, in dem der Stückgutverkehr fühlbar zurückgeht, kommt es zu erheblichen Beeinträchtigungen des Umladedienstes durch die sich steigende Fliegertätigkeit über dem Ruhrgebiet. Durch Verlagerung der Front an die Westgrenze Deutschlands entstehen starke Stauungen im Eisenbahnverkehr, insbesondere gegen Ende des Jahres.

1945
Von Januar ab bis zu 1000 Wagen und mehr ständig im Bahnhof und der Umladestelle. Auf Befehl des Rüstungskommandos Hagen werden zur Auflösung der Stauung witterungsfeste Wagenladungen aller Art im Bahnhof und den Anschlüssen, Stückgüter auf den Bühnen der Umladestelle gelagert. Leer gewordene Wagen laufen jedoch nur unzureichend ab. Erneut einsetzender Zulauf von Wagenladungen, Stückgütern und Verlagerungsgut bringt im März fast vollkommene Verstopfung. Lediglich die beiden durchgehenden Hauptgleise sind noch frei. Die Massierung so vieler Wagen ruft Fliegerangriffe hervor, die sich auf Beschuss und Bombenwürfe im Tiefflug zunächst beschränken. Geringer Sachschaden der Umladestelle, eine tödliche Verwundung.

 

Kein Zug erreicht noch unbeschossen sein Ziel. An- und Abreise der in der weiteren Umgebung wohnenden Güterbodenarbeiter stark gefährdet. Eine schwere, eine tödliche Verletzung von Güterbodenarbeiter, sonst keine Verluste. Fremdarbeiter sind nur durch Strenge in Schach zu halten.

Nach einigen Tieffliegerangriffen, die speziell den Bahnanlagen galten, besonders der Umladestelle, die einigen Sachschaden brachten, erfolgt am 23.03.1945 ein Großangriff mit etwa 500 Flugzeugen.

 

Es werden in kurzen Intervallen rund 10.000 Brand- und 3.000 Sprengbomben geworfen, Obschon der Angriff offensichtlich nur der Eisenbahn galt, wird auch die Gemeinde Holzwickede und damit Hab und Gut vieler Eisenbahnbediensteter betroffen. Während die Gleisanlagen des Bahnhofs in einigen Teilen nur leicht oder garnicht beschädigt wurden, erreichte die Zerstörung der Umladestelle und der naheliegenden Anlagen 90 %. Die zum größten Teil in Holzkonstruktion hergestellte Umladehalle brannte vollkommen ab.

Sämtliche aufstehenden Gebäude, wie das alte und neue Bürogebäude, die Unterkunftsräume und Nebenanlagen, alle Einrichtungen, kurz alles Brennbare fiel den Flammen zum Opfer. Alles auf den Bühnen gelagerte Gut, sämtliche unter der Bedachung stehenden Stückgutwagen mit Inhalt oder leer und viele Wagen im Bahnhof (etwa 800) waren verloren oder schwer beschädigt. Die Feuerlöschteiche fielen ebenso wie die bereitgestellten Feuerlöschgeräte ganz aus. An Löschen, war wegen der ungeheuren Hitze, die sich beim Brand der Umladehalle entwickelte und wegen der noch nach Stunden immer wieder explodierenden Bomben, Munition, Preßluftbehältern, Gasflaschen usw. nicht zu denken. Trotzdem wurde alles versucht, aus den an der Peripherie der Umladestelle und in anderen Gleisen stehenden Wagen so viel Gut wie möglich zu retten. Verlust an Menschenleben auf der Umladestelle nur ein Güterbodenarbeiter, der wahrscheinlich seinen Tod selbst verschuldete. Außerhalb der Umladestelle wurden noch 2 Angehörige der Güterabfertigung Holzwickede, Frau und Mann, im Keller Ihrer Wohnung getötet. In den folgenden Tagen Weiterführung der Aktionen zur Bergung der Güter und Freimachung der durchgehenden Hauptgleise.

Es konnten nur die in der Nähe Holzwickedes wohnenden Arbeiter und Beamten zum Dienst erscheinen. Die ausländischen Arbeiter wurden restlos herangezogen. Am 12. Bis 14. April leichte Kämpfe mit anschließendem Einzug alliierter Truppen. Nach viertägiger Unterbrechung Wiederaufnahme der Aufräumungsarbeiten. Der größte Teil der voll arbeitsfähigen Bediensteten der Umladestelle wurde an andere Dienststellen (Bm, Bf, Bp usw.) abgeordnet. Etwa 20 Kranke und halbtauglich blieben. Damit wurde zunächst bei der Güterabfertigung, anschließend bei der Umladestelle weiter aufgeräumt. Später Vermehrung der Gruppe durch solche Bedienstete die bei anderen Dienststellen nicht verwendet werden konnten. Mit Genehmigung der Direktion Verkauf gefährdeter Güter. Am 01. Oktober Übergang der Dienststellen Holzwickedes an den Eisenbahn Direktion Bezirk Essen, Verkehrsamt Dortmund. Gegen Ende des Jahres spärlicher Güterverkehr, einige Gleise wieder befahrbar.

1946
Fortsetzung der Aufräumungsarbeiten an der Umladestelle. Einrichtung von behelfsmäßigen Bühnenteilen, Auswechslung zerstörter oder schadhafter Hallengleise. Verschrottungsaktion durch einen Stofferfassungszug fördert Aufräumung bei der Umladestelle. Erste Angebote zur Wiederaufnahme des Umladedienstes an Verkehrsamt (VA) Dortmund, nach Wechsel des VA Bezirk an VA Paderborn. Am 04.03.1946 plötzlicher Auftrag der BD Essen, Hilfsumladung für die mit starken Resten kämpfende Umladestelle Wanne-Eickel vorzunehmen. Von da ab ununterbrochen wieder Umladung. Im März 1946 Leistungstonnen 4.200. April 7.790, Mai 8.150, Juni 7.600. Am 01.07.196 Wiedereinführung des Gedinge. Ab Dezember wieder eigene feste Ladeaufgaben. Leistungstonnen steigen im Dezember auf 11.500. Gesamtjahresleistung 1946 45.100 Tonnen

1947
Ständige Erweiterung der Bühnen nach Maßgabe vorhandener Kräfte und Verkehrsumfang. Einrichtung halbzerstöter Baracken als Unterkunftsräume. Wiederherstellung der stark zerstörten Bühne V, die von da ab Schwerpunkt des Umladegeschäfts ist. Zu den eigenen Aufgaben werden noch zeitweilige Umladungen für die überfließenden Stellen Duisburg, Wann und Hamm übernommen.

1948
Eigenaufgaben werden erweiter, Volumen steigt, steigender Personalbedarf. Bau der Bühne IV auf 250 m Länge in Selbsthilfe. Leistungstonnen steigen bis auf 14.700 Tonnen im Dezember.
Gesamtleistung im Jahre 1948 133.300 Tonnen.

1949
Im Mai Einführung der Nachtumladung, LKW werden im Nahverkehr eingesetzt, Einsatz von Leig Einheiten vom Fahrplanwechsel ab zweimal am Tage in der Verbindung Holzwickede- Altenbeken.

 

Vorher, Februar, müssen zu den eigenen Aufgaben noch zusätzliche Umladungen für die mit starken Resten kämpfende Umladestelle Hagen übernommen werden. Spitzenleistung des Jahres im Oktober 16.400 Tonnen. Von Oktober ab Abfuhr der Stückgutfrachten mit besonderem Durchgangsgüterzug (Dg) bis Dillenburg. Gesamtjahresleistung 1949 173.550 Tonnen.

1950
Firma Wiederholt wird die Spitzenleistung aus Oktober 1949 erreichen oder überschreiten (März und Juni) Personell erreicht 253 Köpfe. Wiederherstellung der LKW Bühne in der früheren Form wird notwendig wegen gesteigerten LKW Verkehrs, der noch weiter zunehmen wird. Bezirklich ist Entlastung der Güter Wagenanlage durch starken LKW Einsatz geplant. Örtliche Vorbereitungen zur Bewältigung kommender Aufgaben im Gange.

 

Gez. Wilhelm Klösel

ein ausführlicher Augenzeugen Bericht über die Umladehalle siehe hier

 

ein Bericht aus der Westfalenpost vom 02. September 1955