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150 Jahre Eisenbahn in unserer Nachbar Stadt Schwerte

„150 Jahre Eisenbahn in Schwerte“

(1867 – 2017)

ein Bericht von Wolfgang Güttler, Schwerte

 

 

Für die im Schnittpunkt von Ruhrgebiet und Sauerland liegende Stadt Schwerte begann die Eisenbahnzeit am 1. April 1867. An diesem Tag wurde der planmäßige Bahnbetrieb auf der durch die „Bergisch-Märkische Eisenbahngesellschaft (BME)“ errichteten Gleistrasse von Hengstey nach Holzwickede aufgenommen. Diese durchgehende Linie ermöglichte einen direkten Weg von Hagen nach Hamm und verkürzte die bis dahin befahrene Strecke über Wetter, Witten und Dortmund, um mehr als 25 Kilometer nahezu um die Hälfte.

 

Bereits um 1850 plante man den Bau einer Eisenbahnlinie von Schwerte nach Neheim. Auf alten Plänen ist zu erkennen, dass die Trasse allerdings auf der anderen Seite der Ruhr angelegt worden wäre. Der Schwerter Bahnhof hätte in diesem Fall weit vom Ortskern entfernt gelegen.

 

Die „BME“ entschied sich letztlich für den Bau einer Bahnlinie unterhalb der Hohensyburg von Hengstey über Westhofen und Schwerte nach Holzwickede. Fachleute für die Trassierung der Bahnlinie ermittelten, dass es beim notwendigen Bau eines Tunnels zwischen Schwerte und Holzwickede („Ostberger Tunnel“) keine Probleme geben würde. Die Planungen der „BME“ für den Bau dieser Abkürzung begannen 1861.

 

Schriftstück von 1867

 

Der Bahnbau bedeutete für die Stadt Schwerte einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung, was zur Folge hatte, dass von Schwerte aus in mehreren Etappen (1870 – 1873) eine Bahnverbindung durch das obere Ruhrtal bis Warburg und Kassel angelegt wurde, und dadurch eine wichtige Durchgangsverbindung zwischen West- und Mitteldeutschland geschaffen wurde. Geisecke erhielt bereits 1873 einen Haltepunkt.

 

Am 30. September 1910 wurde der Betrieb auf der Bahnstrecke Schwerte – Iserlohn (über Ergste, Hennen und Kalthof) aufgenommen. Für die Überquerung der Ruhr wurde in Wandhofen eine große Stahlgitterbrücke errichtet, die heute unter Denkmalschutz steht.

 

Nach Fertigstellung des „Schwerter Tunnels“ fuhren 1912 die ersten Güterzüge von Dortmund-Hörde über Dortmund-Aplerbeck-Süd nach Schwerte. Bereits ein Jahr später verkehrten auch Personenzüge auf diesem Streckenabschnitt.

Durch den Bau von Eisenbahnstrecken zwischen dem Rheinland, Ruhrgebiet und Mitteldeutschland, benötigte man mehr und mehr Verschiebebahnhöfe, um eine schnellere Verteilung von Waren vornehmen zu können. In Geisecke entstand 1913 einer der größten Güterbahnhöfe des Ruhrgebietes. In Betrieb gingen anfangs 20 Gleispaare mit einer Kapazität von 2.000 Güterwaggons pro Tag. Planungen sahen für einen Endausbau 36 Gleispaare vor, die eine Größe von rund 3 Kilometer Länge und über 300 Meter Breite aufwiesen.

 

Die umfangreichen Zugbewegungen im Schwerter Raum machten den Bau eigener Güterzuggleise von Hagen her erforderlich (Güterbahnhöfe Vorhalle und Hengstey) mit direkten Verbindungskurven zwischen dem Rangierbahnhof Schwerte und dem Verschiebebahnhof Geisecke.

 

Westlich des Schwerter Bahnhofs wurde ein Bahnbetriebswerk errichtet, in dem Dampflokomotiven ihre Wasser- und Kohlevorräte ergänzen konnten. Eine Vielzahl von Betrieben siedelte sich in Schwerte an den Bahngleisen an und erhielten für die Zustellung von Waggonladungen eigene Gleisanschlüsse.

 

Auf der Suche nach einem Standort für die Errichtung eines neuen, modernen Dampflok-Ausbesserungswerkes in der Eisenbahndirektion Elberfeld, fiel die Wahl auf Schwerte. Nach Verhandlungen der Stadt Schwerte mit der „Königlichen Eisenbahndirektion Elberfeld“ wurde 1914 der Standort für ein neues Werk in Schwerte-Ost festgelegt. Kurz nach Beginn der Bauarbeiten unterbrach der 1. Weltkrieg die Bautätigkeiten, die erst nach Kriegsende wieder aufgenommen werden konnten. 1922 ging dann eines der größten und modernsten Ausbesserungswerke in Deutschland in Betrieb. Vor dem Werk errichtete man für die vielen Werkarbeiter den Bahnhof Schwerte-Ost. Bis zum Ende der Lokomotiv-Ausbesserung im Jahre 1967 wurden hier rund 44.000 Dampflokomotiven repariert. Im Werk waren rund 2.500 Arbeiter beschäftigt. Während des 2. Weltkrieges erreichte die Belegschaft die Marke von 4.000.

 

Für die Werkarbeiter errichtete man gleich neben dem Werk eine Siedlung mit rund 200 Wohnungen. 1935 erreichte die Wohnanlage ihre vollständige Ausdehnung. Neben vielen ehemaligen Werkhallen steht auch diese Siedlung heute komplett unter Denkmalschutz.

 

Mit seinen vielen Gleisanbindungen und der großen Zahl an Zugbewegungen wurde Schwerte eine „Eisenbahnerstadt“.

 

Der im Krieg von Fliegerbomben zerstörte Verschiebebahnhof Geisecke wurde nach Kriegende nicht mehr in Betrieb genommen.

 

Neben ständigen Modernisierungen und Ausbau von Gleisanlagen, erfolgte 2007 eine umfangreiche Umrüstung der Schwerter Signal- und Sicherungstechnik auf moderne Lichtsignale. Bis zu diesem Umbau war Schwerte Jahre lang Anziehungspunkt für Eisenbahnfreunde, die den Zugverkehr noch mit den alten Formsignalen im Bild festhalten wollten. In Zukunft wird es weiterhin Veränderungen geben. Das 1905 in Betrieb gegangene (damals „neue“) Bahnhofsgebäude mit seinen Bahnsteigen wird renoviert und modernisiert. Schnelle Züge auf sicheren Schienen werden auch weiterhin die Eisenbahnszene in Schwerte immer wieder verändern.

 

Schwerte ist heute im Personenverkehr in erster Linie in den regionalen Verkehr im Taktbetrieb eingebunden. Alle errichteten Eisenbahnverbindungen sind bis heute in Betrieb. Die Entwicklung der Stadt Schwerte wurde durch den Anschluss an die Eisenbahn erheblich beeinflusst. Schwerte ohne Eisenbahn – heute undenkbar!