Bericht von
Wilhelm Klösel, Chef der Güterabfertigung Holzwickede
am 19.07.1950 an das Verkehrsamt Paderborn zur Chronik der Bundesbahndirektion
Essen
über die Umladehalle Holzwickede.
aktualisiert am 13.02.2011
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Die
Umladehalle im Jahre ca. 1935
(Obige Bilder stammen vom "Bildarchiv der Eisenbahnstiftung" www.eisenbahnstiftung.de//bg/ |
Durch Anklicken der Bilder, werden diese vergrößert dargestellt.
1935
Die Anlagen der Umladestelle Holzwickede , etwa 1888 dem damaligen Verkehrsbedürfnis
entsprechend angelegt und in Teilbauten nach Verkehrsaufkommen und Bedürfnis
immer weiter ausgebaut, werden 1935 durch eine sägeförmige LKW-Bühne
(zur Schräganfahrt aus Raummangel) erweitert. Diese Form wird als einzige
dieser Art angesehen
und als Holzwickede Erfindung bezeichnet. Siehe oberes rechtes Bild. Zur LKW-Bühne
wird mit Überfahrt über die Gleisanlagen (die Umladestelle liegt im
nördlichen Bahnhofsteil)
eine besondere Zufahrtsstraße gebaut.
1936
Frequenz: LKW Eingang 6375 Wagen, Ausgang 6634 Wagen. Durchschnittliche
Belastung 2,85 und 2,87 Tonnen. Insgesamt fallen der LKW Beförderung von
den Leistungstonnen der Umladestelle in Höhe von 367.720 Tonnen, Güter
im Gewicht von 36.559 Tonnen, rund 10 % zu.
1937
Der LKW Verkehr nimmt im Verhältnis zur Gesamtleistung ab.
Genaue Zahlen liegen aus diesem Jahr nicht mehr vor. Das LKW Gut dürfte
jedoch noch immer bei 6-8% gelegen haben. Besonderheiten aus diesem Jahr der
zunehmenden Verkehrssteigerung sind nicht zu verzeichnen
1938
Stückgutschwemme. Die Umladung ist gegen 1936 um etwa 10 % gestiegen.
Gesamtjahresleistung 400.130 Tonnen. Anteil des LKW Verkehr 21.640 Tonnen =
5,4 %. Der Rückgang der LKW Beförderung ist auf den Abzug der Wagen
zu Sonderaufgaben für die Landesverteidigung zurückzuführen (Westwallbau)
Ende 1938 beginnt im Zuge der Linienführung der Autobahn Opladen - Kamen
für die in der Nähe Holzwickedes vorüberziehende Strecke der
Bau eines Bahnhofs für die Anfuhr der benötigten Materialien. Ein
Gelände von etwa 3 Morgen Größe (6000 - 8000 m2) neben dem südlichen
Bahnhofsteil wird für den täglichen Umschlag von etwa 80 - 100 Wagen
hergerichtet.
1939
Der Kriegsbeginn bringt für die Umladestelle Holzwickede zu einigen
Abzügen für den Kriegsdienst keine besonderen Schwierigkeiten. Verdunkelungsmaßnahmen,
soweit nicht vorbereitet, werden durchgeführt.
Tag- und Nachtentladung beim 9 und 19 Stunden Schicht im Wechseldienst, Früh-,
Spät- und Nachtschicht.
1940
Der Umladestelle wird ein Wohnheim (Wohnbaracke, Steinbau) zugefügt.
Weitere gleiche Bauten, zur Aufnahme von Fremdarbeitern, sind geplant. Eintreffen
von 40 polnischen Arbeitern. Durch Dienstverpflichtungen deutscher Arbeiter
und allmähliche Zuführung weiterer Fremdarbeiter wird der Personalstand
der Umladestelle allmählich bis auf 450 Köpfe gesteigert.
Besondere Berührung der Umladestelle durch den Feldzug im Westen nicht
erkennbar.
Am 20.06.1940 erste Bombenangriffe in Holzwickede und Umgebung. Eisenbahn nicht
betroffen.
Gesamtjahresleistung der Umladestelle 350.000 Tonnen.
1941
Die Bauarbeiten an der Autobahn werden eingestellt im Frühjahr und Abtransport
aller maschinellen Gleisanlagen des Autobahn Bahnhofs.
Umladestelle ohne Veränderung in Aufgaben und Umfang. Gesamtjahresleistung
388.000 Tonnen. Vereinzelte Bombenabwürfe, Bahnanlagen nicht betroffen.
1942
Den Bühnen IV und V werden 3 geräumige Bunker vorgebaut, für
die Löschwasserversorgung 2 Löschteiche hart südlich der Umladestelle
angelegt.
Der Bau eines neuen Büro Hauses unmittelbar neben dem alten beginnt,
im Erdgeschoß mit modern eingerichteter Elektrokarrenladestelle versehen.
Es laufen ständig 15 Elektrokarren und etwa 80 Anhänger. Jahresleistungstonnen
386.000 Tonnen.
Hauptaufgabe: Empfangsverteilung der aus Mittel-, Ost- und Norddeutschland stammenden
Stückgüter in das Wupper- und Ruhrgebiet.
Nur geringe Versandmengen aus dem Raume Hagen und der Ruhr-Sieg Strecke.
1943
Fertigstellung der Bunker, des Büro Hauses, Weiterführung der
Überdachung nach Osten über Gleis 8 und 9. Vorbau eines Bühnenstückes
(30 m Beton) vor Bühne I östlich.
Errichtung von 2 Wohnbaracken für Fremdarbeiter.
2000 Tonnen Grenze täglicher Leistung, wie noch 1938 im Herbstverkehr,
wird nicht mehr erreicht.
Trotzdem Gesamtleistung des Jahres 411.000 Tonnen.
Von August an müssen Wagen der schwer getroffenen Umladestelle Hagen mit
übernommen werden. Die zunehmende nächtliche Fliegertätigkeit
bringt Unruhe in die Umladung und zwingt zu Unterbrechungen und Einschränkungen.
Bombenabwürfe in der Umgebung, ohne Beschädigung von Bahnanlagen.
1944
Im weiteren Verlauf des Jahres, in dem der Stückgutverkehr fühlbar
zurückgeht, kommt es zu erheblichen Beeinträchtigungen des Umladedienstes
durch die sich steigende Fliegertätigkeit über dem Ruhrgebiet.
Durch Verlagerung der Front an die Westgrenze Deutschlands entstehen starke
Stauungen im Eisenbahnverkehr, insbesondere gegen Ende des Jahres.
1945
Von Januar ab bis zu 1000 Wagen und mehr ständig im Bahnhof und der
Umladestelle. Auf Befehl des Rüstungskommandos Hagen werden zur Auflösung
der Stauung witterungsfeste Wagenladungen aller Art im Bahnhof und den Anschlüssen,
Stückgüter auf den Bühnen der Umladestelle gelagert. Leer gewordene
Wagen laufen jedoch nur unzureichend ab. Erneut einsetzender Zulauf von Wagenladungen,
Stückgütern und Verlagerungsgut bringt im März fast vollkommene
Verstopfung. Lediglich die beiden durchgehenden Hauptgleise sind noch frei.
Die Massierung so vieler Wagen ruft Fliegerangriffe hervor, die sich auf Beschuss
und Bombenwürfe im Tiefflug zunächst beschränken. Geringer Sachschaden
der Umladestelle, eine tödliche Verwundung. Kein Zug erreicht noch unbeschossen
sein Ziel. An- und Abreise der in der weiteren Umgebung wohnenden Güterbodenarbeiter
stark gefährdet. Eine schwere, eine tödliche Verletzung von Güterbodenarbeiter,
sonst keine Verluste. Fremdarbeiter sind nur durch Strenge in Schach zu halten.
Nach einigen Tieffliegerangriffen,
die speziell den Bahnanlagen galten, besonders der Umladestelle, die einigen
Sachschaden brachten, erfolgt am 23.03.1945 ein Großangriff mit etwa 500
Flugzeugen. Es werden in kurzen Intervallen rund 10.000 Brand- und 3.000 Sprengbomben
geworfen, Obschon der Angriff offensichtlich nur der Eisenbahn galt, wird auch
die Gemeinde Holzwickede und damit Hab und Gut vieler Eisenbahnbediensteter
betroffen.
Während die Gleisanlagen des Bahnhofs in einigen Teilen nur leicht oder
garnicht beschädigt wurden, erreichte die Zerstörung der Umladestelle
und der naheliegenden Anlagen 90 %.
Die zum größten Teil in Holzkonstruktion hergestellte Umladehalle
brannte vollkommen ab.
Sämtliche aufstehenden
Gebäude, wie das alte und neue Bürogebäude, die Unterkunftsräume
und Nebenanlagen, alle Einrichtungen, kurz alles Brennbare fiel den Flammen
zum Opfer.
Alles auf den Bühnen gelagerte Gut, sämtliche unter der Bedachung
stehenden Stückgutwagen mit Inhalt oder leer und viele Wagen im Bahnhof
(etwa 800) waren verloren oder schwer beschädigt. Die Feuerlöschteiche
fielen ebenso wie die bereitgestellten Feuerlöschgeräte ganz aus.
An Löschen, war wegen der ungeheuren Hitze, die sich beim Brand der Umladehalle
entwickelte und wegen der noch nach Stunden immer wieder explodierenden Bomben,
Munition, Preßluftbehältern, Gasflaschen usw. nicht zu denken. Trotzdem
wurde alles versucht, aus den an der Peripherie der Umladestelle und in anderen
Gleisen stehenden Wagen so viel Gut wie möglich zu retten. Verlust an Menschenleben
auf der Umladestelle nur ein Güterbodenarbeiter, der wahrscheinlich seinen
Tod selbst verschuldete. Außerhalb der Umladestelle wurden noch 2 Angehörige
der Güterabfertigung Holzwickede, Frau und Mann, im Keller Ihrer Wohnung
getötet.
In den folgenden Tagen Weiterführung der Aktionen zur Bergung der Güter
und Freimachung der durchgehenden Hauptgleise.
Es konnten nur die in der
Nähe Holzwickedes wohnenden Arbeiter und Beamten zum Dienst erscheinen.
Die ausländischen Arbeiter wurden restlos herangezogen.
Am 12. Bis 14. April leichte Kämpfe mit anschließendem Einzug alliierter
Truppen. Nach viertägiger Unterbrechung Wiederaufnahme der Aufräumungsarbeiten.
Der größte Teil der voll arbeitsfähigen Bediensteten der Umladestelle
wurde an andere Dienststellen (Bm, Bf, Bp usw.) abgeordnet. Etwa 20 Kranke und
halbtauglich blieben. Damit wurde zunächst bei der Güterabfertigung,
anschließend bei der Umladestelle weiter aufgeräumt.
Später Vermehrung der Gruppe durch solche Bedienstete die bei anderen Dienststellen
nicht verwendet werden konnten. Mit Genehmigung der Direktion Verkauf gefährdeter
Güter.
Am 01. Oktober Übergang der Dienststellen Holzwickedes an den Eisenbahn
Direktion Bezirk Essen, Verkehrsamt Dortmund.
Gegen Ende des Jahres spärlicher Güterverkehr, einige Gleise wieder
befahrbar.
1946
Fortsetzung der Aufräumungsarbeiten an der Umladestelle. Einrichtung
von behelfsmäßigen Bühnenteilen, Auswechslung zerstörter
oder schadhafter Hallengleise. Verschrottungsaktion durch einen Stofferfassungszug
fördert Aufräumung bei der Umladestelle.
Erste Angebote zur Wiederaufnahme des Umladedienstes an Verkehrsamt (VA) Dortmund,
nach Wechsel des VA Bezirk an VA Paderborn.
Am 04.03.1946 plötzlicher Auftrag der BD Essen, Hilfsumladung für
die mit starken Resten kämpfende Umladestelle Wanne-Eickel vorzunehmen.
Von da ab ununterbrochen wieder Umladung. Im März 1946 Leistungstonnen
4.200. April 7.790, Mai 8.150, Juni 7.600. Am 01.07.196 Wiedereinführung
des Gedinge.
Ab Dezember wieder eigene feste Ladeaufgaben. Leistungstonnen steigen im Dezember
auf 11.500. Gesamtjahresleistung 1946 45.100 Tonnen
1947
Ständige Erweiterung der Bühnen nach Maßgabe vorhandener
Kräfte und Verkehrsumfang. Einrichtung halbzerstöter Baracken als
Unterkunftsräume. Wiederherstellung der stark zerstörten Bühne
V, die von da ab Schwerpunkt des Umladegeschäfts ist.
Zu den eigenen Aufgaben werden noch zeitweilige Umladungen für die überfließenden
Stellen Duisburg, Wann und Hamm übernommen.
1948
Eigenaufgaben werden erweiter, Volumen steigt, steigender Personalbedarf.
Bau der Bühne IV auf 250 m Länge in Selbsthilfe. Leistungstonnen steigen
bis auf 14.700 Tonnen im Dezember.
Gesamtleistung im Jahre 1948 133.300 Tonnen.
1949
Im Mai Einführung der Nachtumladung, LKW werden im Nahverkehr eingesetzt,
Einsatz von Leig Einheiten vom Fahrplanwechsel ab zweimal am Tage in der Verbindung
Holzwickede- Altenbeken. Vorher, Februar, müssen zu den eigenen Aufgaben
noch zusätzliche Umladungen für die mit starken Resten kämpfende
Umladestelle Hagen übernommen werden.
Spitzenleistung des Jahres im Oktober 16.400 Tonnen. Von Oktober ab Abfuhr der
Stückgutfrachten mit besonderem Durchgangsgüterzug (Dg) bis Dillenburg.
Gesamtjahresleistung 1949 173.550 Tonnen.
1950
Firma Wiederholt wird die Spitzenleistung aus Oktober 1949 erreichen oder
überschreiten (März und Juni) Personell erreicht 253 Köpfe.
Wiederherstellung der LKW Bühne in der früheren Form wird notwendig
wegen gesteigerten LKW Verkehrs, der noch weiter zunehmen wird.
Bezirklich ist Entlastung der Güter Wagenanlage durch starken LKW Einsatz
geplant. Örtliche Vorbereitungen zur Bewältigung kommender Aufgaben
im Gange.
Gez. Wilhelm Klösel
ein ausführlicher Augenzeugen Bericht über die Umladehalle siehe hier